Handwerker-Wohnhaus von 1657, Steinfurt-Borghorst
Kleines Querdielenhaus von 1778, Delbrück
Die STIFTUNG Kleines Bürgerhaus gibt eine Publikationsreihe unter dem Titel „Einblicke” heraus, in der die prämierten Wettbewerbsbeiträge veröffentlicht werden.
Als erster Band konnte im Dezember 2011 vorgelegt werden:
Fred Kaspar
Behelfsheime für Ausgebombte
Bewältigung des Alltäglichen im Totalen Krieg – Münsters Bürger ziehen aufs Land
Michael Imhof Verlag Petersberg 2011
ISBN 978-3-86568-761-6

Zwischen Herbst 1943 und Frühjahr 1945 wurden im Rahmen des „Deutschen Wohnungs-Hilfswerkes“ (DHW) für die durch den Bombenkrieg zunehmend ihrer Wohnungen beraubte städtische Bevölkerung kurzfristig überall im Deutschen Reich mehrere hunderttausend Behelfsheime auf dem Lande geschaffen. Als vorübergehender Baubestand gedacht, blieben sie in den meisten Fällen länger genutzt, insbesondere zur Unterbringung der seit 1945 einsetzenden Flüchtlingsströme. Viele dieser Notwohnhäuser bestehen bis heute, sind allerdings nach und nach erweitert und den steigenden Ansprüchen gemäß verändert und zu Dauerwohnungen ausgebaut worden. Ungeplant wurden sie so zu einer nachhaltigen Grundlage einer weitläufigen „Zersiedelung“ der freien Landschaft.
Bald geriet der Entstehungsprozess der Bauten in Vergessenheit, zumal unter den Bewohnern in den meisten Fällen ein schneller Wechsel einsetzte. Auch wurde die Erinnerung an das durch die Zeitläufe erzwungene Leben in den Behelfsheimen als ungeliebte Zeit verdrängt, so dass heute, nach nur einer Generation, diese ehemals alltägliche Wohnsituation schon weitgehend vergessen ist.
Vor dem reichsweiten Hintergrund werden auf der Grundlage ungewöhnlich gut überlieferter Archivquellen an Hand einer Fallstudie (Telgte bei Münster/Westfalen) erstmals die formalen Bedingungen, technischen Notwendigkeiten sowie die Handlungsspielräume der Bauherren beleuchtet, wobei ein sozial differenzierter Blick auf die Lebensbedingungen ausgebombter Bürger am Ende des Zweiten Weltkrieges entsteht.